Kurz gefasst

Silikatputz gehört auf mineralische Untergründe im Altbau, Silikonharzputz auf ein Wärmedämmverbundsystem. Die Entscheidung fällt an zwei Kennwerten: wie viel Wasserdampf der Putz durchlässt und wie viel Regenwasser er aufnimmt. Der Untergrund gibt die Antwort vor, nicht der Geschmack.

Gebäudehülle

Silikonharzputz oder Silikatputz? Der Vergleich für die Fassadensanierung

Ob Silikonharzputz oder Silikatputz die richtige Wahl ist, entscheidet der Untergrund und nicht der Preis. Beide sind gute Produkte, nur eben für unterschiedliche Wände.

Die kurze Antwort: Auf massivem Mauerwerk, altem Kalk- oder Zementputz und in der Altbausanierung nimmst du Silikatputz. Auf einem Wärmedämmverbundsystem, auf Beton und an stark schlagregenbelasteten Wetterseiten nimmst du Silikonharzputz. Beide kosten fertig aufgetragen 25 bis 45 Euro je Quadratmeter. Der Unterschied im Materialpreis liegt bei rund 3 Euro je Quadratmeter und ist damit das schwächste Argument von allen.
Silikatputz

Sehr diffusionsoffen, mineralisch, dauerhaft. Braucht einen mineralischen Untergrund und hält 20 bis 30 Jahre.

Silikonharzputz

Stark wasserabweisend, elastisch, universell haftend. Erste Wahl auf Dämmsystemen, hält 15 bis 25 Jahre.

Preis komplett

25 bis 45 Euro je Quadratmeter inklusive Grundierung und Auftrag, Gerüst getrennt.

Die zwei Kennwerte, auf die es wirklich ankommt

Jeder Fassadenputz muss zwei Dinge gleichzeitig leisten. Er muss Regen abhalten und trotzdem Feuchte aus der Wand nach außen entlassen. Dafür gibt es zwei Zahlen im technischen Datenblatt.

Der sd-Wert beschreibt, wie stark der Putz den Wasserdampf bremst. Angegeben wird er in Metern. Er sagt aus, wie dick eine Luftschicht sein müsste, die denselben Widerstand hätte. Je kleiner der Wert, desto besser trocknet die Wand nach außen. Alles unter 0,5 Meter gilt als diffusionsoffen.

Der w-Wert beschreibt, wie viel flüssiges Wasser der Putz aufsaugt. Je kleiner, desto weniger Regen dringt ein. Unter 0,5 Kilogramm je Quadratmeter und Wurzel Stunde gilt als wasserabweisend.

In der Fassadentechnik gilt seit Jahrzehnten eine einfache Kombination beider Werte als Qualitätsmaßstab: sd unter 2 Metern, w unter 0,5, und beide Werte miteinander multipliziert unter 0,2. Ein Putz, der das erfüllt, hält Schlagregen ab und lässt die Wand trotzdem atmen. Beide gängigen Systeme schaffen das, sie kommen nur auf unterschiedlichem Weg dorthin.

KennwertSilikatputzSilikonharzputzMineral- und Kalkputz
sd-Wert0,01 bis 0,10 m0,05 bis 0,20 munter 0,05 m
w-Wert0,10 bis 0,500,03 bis 0,100,20 bis 0,80
BindemittelKaliwasserglasSiliconharz-EmulsionZement oder Kalk
Haftungnur mineralischfast jeder Untergrundnur mineralisch
Elastizität bei Rissengeringmittelgering
Haltbarkeit20 bis 30 Jahre15 bis 25 Jahre15 bis 25 Jahre

Wann Silikatputz die richtige Wahl ist

Silikatputz bindet nicht ab wie ein Anstrich, der auf der Wand liegt. Sein Bindemittel Kaliwasserglas verkieselt mit dem mineralischen Untergrund und wird chemisch Teil davon. Diese Verbindung ist der Grund für seine lange Haltbarkeit.

Genau daraus folgt aber auch die Einschränkung: Verkieseln funktioniert nur mit einem mineralischen Untergrund. Auf altem Kalkputz, Zementputz, Kalkzementputz und auf Porenbeton ist Silikatputz die technisch sauberste Lösung. Auf einer alten Dispersionsbeschichtung oder auf Kunstharzputz haftet er nicht zuverlässig.

Im Altbau ist er deshalb meist gesetzt. Alte Wände ohne Sperrschicht müssen Feuchte nach außen abgeben können. Der sehr niedrige sd-Wert erlaubt genau das. Wo eine Innendämmung geplant ist, wird dieser Punkt noch wichtiger, weil die Wand dann von innen kaum noch Wärme bekommt und langsamer trocknet.

Ein zweiter Vorteil: Silikatputz ist stark alkalisch. Algen und Pilze finden auf frischer Oberfläche schlechte Bedingungen. Diese Wirkung lässt über die Jahre nach, verschafft aber gerade an Nord- und Waldseiten die ersten Jahre Ruhe ohne chemische Zusätze.

Wann Silikonharzputz besser passt

Silikonharzputz ist der Allrounder. Er haftet auf fast jedem tragfähigen Untergrund, auch auf alten Dispersionsanstrichen und Kunstharzputz. Auf einem Wärmedämmverbundsystem ist er der Standard, weil die dünne Armierungsschicht darunter arbeitet und ein starrer mineralischer Putz dort schneller reißt.

Sein sehr niedriger w-Wert macht ihn zur ersten Wahl an Wetterseiten. Regen perlt ab, statt einzuziehen. Der Schmutz läuft mit dem Wasser herunter, statt sich festzusetzen. Auf hellen Fassaden an vielbefahrenen Straßen bleibt die Fläche dadurch deutlich länger ansehnlich.

Wichtig bei Dämmsystemen: Auf einem WDVS musst du das Produkt aus derselben Systemfamilie wie Kleber und Armierung nehmen. Nur dann greift die Systemgewährleistung des Herstellers. Ein fremder Putz auf fremdem Armierungsmörtel ist rechtlich eine eigene Konstruktion, für die niemand außer dem ausführenden Betrieb geradesteht.

Der Nachteil: Die Oberfläche ist elektrostatisch etwas aktiver. Auf sehr gut gedämmten Fassaden mit kühler Oberfläche und nächtlicher Betauung kann sich Algenbewuchs bilden. Hersteller setzen dagegen Filmkonservierer ein, die nach zehn bis fünfzehn Jahren ausgewaschen sind. Ein guter Dachüberstand hilft an dieser Stelle mehr als jedes Additiv.

Was kosten die Systeme im Vergleich?

Die Materialkosten machen bei einer Fassadensanierung nur einen kleinen Teil aus. Den Preis bestimmen Untergrundvorbereitung, Arbeitszeit und Gerüst. Maler und Stuckateure rechnen 2026 mit 50 bis 80 Euro je Stunde.

PositionPreis 2026Anmerkung
Silikatputz, Material6 bis 12 Euro je qmKornstärke 1,5 bis 3 mm
Silikonharzputz, Material8 bis 15 Euro je qmfertig angemischt im Eimer
Mineralputz, Material4 bis 9 Euro je qmTrockenmörtel im Sack
Kalkputz, Material8 bis 18 Euro je qmSanierputz teurer
Grundierung oder Putzgrund2 bis 6 Euro je qmbei jedem System nötig
Untergrund reinigen und prüfen5 bis 12 Euro je qmNiederdruck plus Haftprobe
Risse spachteln und armieren10 bis 25 Euro je qmnur betroffene Flächen
Auftrag durch den Betrieb18 bis 30 Euro je qmzweilagig mit Abrieb
Komplettpreis fertig gestrichen25 bis 45 Euro je qmohne Gerüst
Gerüst inklusive Standzeit6 bis 12 Euro je qm4 Wochen üblich

Bei 180 Quadratmetern Fassade landest du also bei 5.500 bis 10.000 Euro plus Gerüst. Kommt eine Dämmung dazu, ändert sich die Rechnung grundlegend. Einen Überblick über die Preisbildung an der Fassade gibt der Ratgeber zu Fassade streichen oder verputzen.

Kalk- und Mineralputz als dritte Option

Bei Fachwerk, Denkmalschutz und sehr altem Mauerwerk ist reiner Kalkputz oft die einzig richtige Antwort. Er ist maximal diffusionsoffen, nimmt Salze auf und bleibt weich genug, um Bewegungen im alten Gefüge mitzumachen.

Der Preis dafür ist geringerer Regenschutz. Kalkputz saugt Wasser, gibt es aber auch schnell wieder ab. Das funktioniert nur mit ausreichendem Dachüberstand und einem gepflegten Sockel. Als Sanierputz mit hohem Porenanteil ist er zusätzlich in der Lage, ausblühende Salze aufzunehmen, ohne dass die Oberfläche abplatzt.

Mineralputz auf Zementbasis ist die günstigste Variante. Er ist hart, diffusionsoffen und langlebig, aber wenig elastisch und saugfähiger als die anderen. Er wird deshalb meist überstrichen. Bei Rissneigung im Untergrund ist er die schlechteste Wahl.

Welcher Putz auf welchen Bestand darf

Die wichtigste Regel der Fassadensanierung lautet: Der neue Putz muss weicher und diffusionsoffener sein als der alte Untergrund. Wer ein dichtes Material auf eine feuchte Wand bringt, verlagert das Problem nach innen.

UntergrundEmpfehlungNicht geeignet
Alter Kalk- oder KalkzementputzSilikatputz oder Kalkputzdichte Kunstharzsysteme
Zementputz, tragfähigSilikatputz oder Mineralputzreiner Kalkputz
WärmedämmverbundsystemSilikonharzputz aus dem Systemsatzstarrer Mineralputz
Alter Dispersions- oder KunstharzputzSilikonharzputzSilikatputz, haftet nicht
Fachwerk und DenkmalKalkputzZement und Silikonharz
Beton und BetonfertigteilSilikonharzputzKalkputz
Feuchtes oder versalztes MauerwerkSanierputz nach Ursachenbehebungjedes dichte System

Wann ein Fachbetrieb oder Statiker nötig wird

Einen Putz aufzutragen ist grundsätzlich keine Arbeit mit Fachbetriebszwang. Drei Fälle sind trotzdem eindeutig.

Bei Arbeiten am Wärmedämmverbundsystem ist der Fachbetrieb faktisch Pflicht. Die Systemgewährleistung des Herstellers setzt eine Verarbeitung nach dessen Richtlinie voraus. Ohne diese Kette verlierst du bei einem Schaden jeden Anspruch gegen den Hersteller.

Bei durchgehenden Rissen gehört ein Statiker gefragt, bevor überhaupt jemand spachtelt. Verlaufen Risse diagonal über mehrere Geschosse, quer durch Steine statt nur durch Fugen, oder öffnen sie sich sichtbar, ist das ein Hinweis auf Bewegung im Bauwerk. Ein Putz darüber verdeckt den Befund und macht die spätere Beweisführung schwer. Wie du Risse einordnest, zeigt der Ratgeber zu Rissen im Mauerwerk.

Bei feuchten Wänden muss die Ursache vor dem Putz geklärt sein. Aufsteigende Feuchte aus dem Sockel wandert weiter, egal welches Material darüber liegt. Fördermöglichkeiten für energetische Fassadenarbeiten erklärt das BAFA.

Häufige Fragen

Kann ich Silikatputz auf alten Kunstharzputz auftragen?
Nein, nicht direkt. Silikat braucht einen mineralischen Untergrund zum Verkieseln. Auf Kunstharz oder Dispersion haftet er nicht dauerhaft. Dort ist Silikonharzputz die richtige Wahl.
Welcher Putz bekommt weniger Algen?
Frischer Silikatputz ist durch seine hohe Alkalität die ersten Jahre im Vorteil. Auf lange Sicht entscheidet nicht das Material, sondern die Bauphysik: Dachüberstand, Sonneneinstrahlung und Abstand zu Bewuchs.
Wie lange hält ein Fassadenputz?
Silikatputz erreicht 20 bis 30 Jahre, Silikonharzputz 15 bis 25 Jahre. Ein Anstrich zur Auffrischung wird meist nach 12 bis 18 Jahren fällig und kostet deutlich weniger als ein neuer Putzaufbau.
Muss der alte Putz komplett runter?
Nur wenn er hohl liegt, rieselt oder sich großflächig löst. Ein tragfähiger Altputz wird gereinigt, geprüft und überarbeitet. Die Haftprobe mit Klopfen und Kratzen macht der Betrieb vor dem Angebot.
Was kostet der Unterschied zwischen beiden Systemen?
Beim Material rund 3 Euro je Quadratmeter. Bei 180 Quadratmetern Fassade sind das etwa 540 Euro. Der Preis ist damit das schwächste Argument, entscheidend bleibt die Eignung für den Untergrund.

Zuletzt aktualisiert: September 2026 · Preise als Spannen, Angaben ohne Gewähr.

Weitere Themen aus „Fassade“

Passende Nachbarthemen