Kurz gefasst

Fugen an der Klinkerfassade zu erneuern kostet 50 bis 110 Euro je Quadratmeter, Gerüst und Reinigung eingerechnet. Der Preis hängt daran, wie tief die alten Fugen ausgeräumt werden müssen. Entscheidend für die Haltbarkeit ist nicht der Preis, sondern der Mörtel: Er muss weicher sein als der Klinker.

Gebäudehülle

Fugen der Klinkerfassade erneuern: Kosten, Verfahren, Schadensbild

Die Fugen einer Klinkerfassade erneuern zu lassen kostet 50 bis 110 Euro pro Quadratmeter. Sichtmauerwerk hält oft hundert Jahre, die Fuge dazwischen selten länger als vierzig.

Die kurze Antwort: Rechne mit 50 bis 110 Euro je Quadratmeter Fassadenfläche für das komplette Paket aus Ausräumen, Reinigen und Neuverfugen. Reines Neuverfugen ohne tiefes Ausräumen liegt bei 30 bis 60 Euro. Das Gerüst kommt mit 6 bis 12 Euro je Quadratmeter dazu. Bei einem Einfamilienhaus mit 180 Quadratmetern Fassade landest du meist zwischen 10.000 und 20.000 Euro.
Kosten

50 bis 110 Euro je Quadratmeter komplett. Gerüst separat mit 6 bis 12 Euro je Quadratmeter.

Haltbarkeit

Eine fachgerecht ausgeführte Fuge hält 40 bis 60 Jahre. Falscher Mörtel versagt oft schon nach 10 Jahren.

Zeitpunkt

Frostfrei von April bis Oktober. Unter 5 Grad bindet der Mörtel nicht sauber ab.

Was kostet es, die Fugen der Klinkerfassade zu erneuern?

Der Mörtel ist billig, die Arbeitszeit ist teuer. Ein Maurer oder Fassadenbauer rechnet 2026 mit 55 bis 85 Euro je Stunde. Für einen Quadratmeter Ausfugen braucht er je nach Fugenbild und Zustand eine halbe bis eine ganze Stunde.

PositionPreis 2026Anmerkung
Alte Fugen ausräumen, maschinell20 bis 40 Euro je qmFugenfräse, 15 bis 20 mm tief
Alte Fugen ausstemmen, von Hand35 bis 65 Euro je qmbei weichem Altbaumauerwerk nötig
Neu verfugen inklusive Material30 bis 60 Euro je qmabhängig vom Fugenbild
Komplettpaket Ausräumen und Verfugen50 bis 110 Euro je qmder übliche Angebotspreis
Fassade reinigen vor der Arbeit8 bis 20 Euro je qmNiederdruck, kein Sandstrahlen
Gerüst inklusive Auf- und Abbau6 bis 12 Euro je qm4 Wochen Standzeit üblich
Einzelne schadhafte Klinker tauschen15 bis 45 Euro je SteinErsatzsteine sind oft schwer zu finden
Risse im Mauerwerk verpressen40 bis 90 Euro je laufendem Meternur nach Ursachenklärung
Maueranker der Verblendschale ergänzen25 bis 60 Euro je Stückbei gelösten Vorsatzschalen
Hydrophobierung auftragen10 bis 25 Euro je qmnur auf trockenem Mauerwerk
Bauschutt entsorgen150 bis 400 EuroContainer für ein Einfamilienhaus

Wer ohnehin am Gerüst arbeitet, sollte weitere Arbeiten bündeln. Dach, Dachrinne und Fensteranschlüsse lassen sich im selben Aufbau erledigen. Wie du solche Abläufe sinnvoll ordnest, zeigt der Ratgeber zur Reihenfolge der Gewerke.

Woran erkennst du schadhafte Fugen?

Nimm einen Schraubendreher und fahre damit über die Fuge. Vier Befunde sind eindeutig.

Auswaschung. Die Fuge liegt sichtbar hinter der Klinkerkante zurück, teils mehrere Millimeter. Regen und Frost haben den Mörtel abgetragen. Rieselt Sand heraus, wenn du kratzt, ist der Mörtel am Ende.

Risse in der Fuge. Feine Haarrisse entlang der Lagerfuge sind normal gealtert. Durchgehende Risse quer über mehrere Steinreihen sind es nicht. Sie deuten auf Bewegung im Bauteil hin und gehören geklärt, bevor jemand verfugt.

Hohlstellen. Klopfe die Fassade mit einem Hammerstiel ab. Klingt es dumpf statt hell, hat sich der Mörtel vom Stein gelöst. Wasser läuft dann hinter der Fuge ab, ohne dass du es siehst.

Dunkle Feuchtefahnen. Streifen unterhalb von Fensterbänken, Sohlbänken oder der Traufe zeigen, wo Wasser gezielt eindringt. Meist ist dort ein Anschlussdetail undicht und nicht die Fläche.

Schnelltest: Halte nach einem Regentag die Hand an die Innenseite der Außenwand. Fühlt sie sich in Bodennähe oder unter dem Fenster kühler und klamm an als anderswo, sitzt das Problem in der Fassade und nicht im Raumklima.

Warum poröse Fugen die Innenwand feucht machen

Klinker selbst nimmt kaum Wasser auf. Der Mörtel schon. Ist die Fuge ausgewaschen, sammelt sich Regenwasser in den Vertiefungen und zieht in die Wand. Bei zweischaligem Mauerwerk landet es im Luftspalt und läuft an der Innenschale ab, sofern die Entwässerungsöffnungen am Fuß verstopft sind.

Bei einschaligem Sichtmauerwerk, wie es in vielen Häusern vor 1950 steht, gibt es diesen Puffer nicht. Dort steht die Feuchte direkt an der Innenwand. Typische Folgen sind Salzausblühungen, abplatzender Innenputz und Schimmel in den Raumecken. Die Ursache liegt dann nicht am Lüften, sondern an der Fassade.

Nasses Mauerwerk dämmt außerdem schlechter. Feuchte Steine leiten Wärme deutlich besser ab als trockene. Das treibt die Heizkosten, ohne dass du eine bauliche Veränderung siehst. Wenn innen bereits Schäden sichtbar sind, hilft der Ratgeber zu Salpeter und Ausblühungen beim Einordnen des Schadensbildes.

Ausfugen von Hand, maschinell oder verpressen?

Es gibt drei Wege, und sie sind nicht austauschbar. Der Zustand des Mauerwerks entscheidet.

VerfahrenWann geeignetKosten je qmRisiko
Maschinell fräsenharter Klinker, gerades Fugenbild50 bis 90 EuroKantenabplatzer bei weichem Stein
Von Hand ausstemmenalter Ziegel, unregelmäßige Fugen70 bis 130 Eurohoher Zeitaufwand
Verpressen ohne Ausräumennur Hohlstellen und feine Risse40 bis 90 Euro je lfd. mlöst kein Flächenproblem

Fachlich gilt: Die Fuge muss mindestens doppelt so tief ausgeräumt werden wie sie breit ist, meist 15 bis 20 Millimeter. Wer nur oberflächlich überstreicht, bekommt in wenigen Jahren dieselbe Baustelle zurück. Ein seriöses Angebot nennt die Ausräumtiefe in Millimetern.

Warum zu harter Mörtel den Klinker sprengt

Das ist der teuerste Fehler bei dieser Arbeit. Die Fuge muss weicher sein als der Stein. Sie ist das Opferbauteil und soll die Bewegungen des Mauerwerks aufnehmen.

Zementreicher Mörtel der Gruppe III ist härter und dichter als ein alter Ziegel. Er lässt keine Feuchte mehr nach außen entweichen. Das Wasser wandert dann in den Stein, gefriert dort und sprengt die Klinkeroberfläche ab. Nach zwei bis drei Wintern siehst du abgeplatzte Steinköpfe entlang der neuen Fugen.

Für Sichtmauerwerk im Bestand gehört deshalb ein weicherer Mörtel der Gruppe II oder IIa in die Fuge, bei sehr altem Ziegel auch ein Kalkmörtel. Verlange, dass der Betrieb das Produkt im Angebot benennt. Steht dort nur „Fugenmörtel“, frage nach.

Prüffrage ans Angebot: Welche Mörtelgruppe wird verwendet, wie tief werden die Fugen ausgeräumt und wie wird die Fassade vor der Arbeit gereinigt? Wer diese drei Antworten schriftlich gibt, hat das Fach verstanden.

Wann Statiker oder Fachbetrieb Pflicht sind

Verfugen an sich ist keine genehmigungspflichtige Arbeit. Es gibt aber klare Grenzen, ab denen du nicht mehr allein entscheiden darfst.

Ein Statiker ist Pflicht, wenn das Sichtmauerwerk tragend ist und Risse durch mehrere Steinreihen laufen. Bei einschaligem Mauerwerk trägt die Außenwand die Decken. Ein durchgehender Riss, eine ausbauchende Wandfläche oder ein abgesackter Fenstersturz sind Anzeichen für ein statisches Problem. Wer solche Risse einfach zuschmiert, verdeckt den Schaden und verschiebt ihn nach hinten. Ein Tragwerksplaner kostet für ein Gutachten am Einfamilienhaus 800 bis 2.500 Euro.

Ein Fachbetrieb ist Pflicht, wenn sich die Verblendschale gelöst hat. Bei zweischaligem Mauerwerk hängt die äußere Klinkerschale an Drahtankern in der Innenwand. Rosten diese durch, kann die Schale kippen. Das ist eine Gefahr für Personen und keine Aufgabe für Eigenleistung. Ausbauchungen von mehr als etwa zwei Zentimetern gehören sofort begutachtet.

Bei allem, was darüber hinausgeht, gilt die übliche Sorgfalt bei der Betriebsauswahl. Welche Fragen ein gutes Angebot beantwortet, steht im Ratgeber zur Suche nach guten Handwerksbetrieben. Fachliche Hinweise zu Bauschäden und Gewährleistung bietet die Verbraucherzentrale.

Hydrophobierung: wann sie hilft und wann sie schadet

Eine Hydrophobierung ist eine farblose Imprägnierung, die Wasser abperlen lässt, Wasserdampf aber durchlässt. Sie kostet 10 bis 25 Euro je Quadratmeter und hält 8 bis 15 Jahre.

Sie hilft bei stark schlagregenbelasteten Wetterseiten, wenn Fugen und Steine intakt sind. Sie ist eine Ergänzung, kein Ersatz für die Sanierung.

Sie schadet, wenn die Wand noch feucht ist. Dann schließt du die Feuchte ein. Sie kann nicht mehr nach außen verdunsten, wandert nach innen und friert im Winter im Stein. Vor jeder Hydrophobierung muss das Mauerwerk durchgetrocknet sein, das dauert nach dem Verfugen mehrere Wochen. Auch bei aufsteigender Feuchte aus dem Sockelbereich ist sie falsch. Dort gehört zuerst die Trockenlegung der Wand gelöst.

Häufige Fragen

Kann ich die Fugen selbst erneuern?
Im Sockelbereich bis Brusthöhe ist das machbar, wenn du sauber arbeitest. Alles am Gerüst gehört in Fachhände, weil Absturzsicherung, Mörtelwahl und gleichmäßiges Fugenbild über die Haltbarkeit entscheiden.
Wie lange hält eine neue Fuge?
Bei passender Mörtelgruppe und ausreichender Ausräumtiefe sind 40 bis 60 Jahre üblich. Zu harter Zementmörtel oder zu flaches Ausräumen verkürzt das auf 10 bis 15 Jahre, oft mit Schäden am Stein.
Muss die ganze Fassade neu verfugt werden?
Nicht zwingend. Wetterseiten sind meist deutlich stärker geschädigt als geschützte Seiten. Ein Betrieb kann flächenweise arbeiten, sollte die Grenze aber an einer Gebäudekante ziehen, damit kein Farbversatz mitten in der Wand entsteht.
Darf man Klinker sandstrahlen?
Besser nicht. Strahlen öffnet die gebrannte Sinterhaut des Klinkers, danach saugt der Stein Wasser wie ein Schwamm. Reinige mit Niederdruck und bei Bedarf mit einem für Ziegel geeigneten Reiniger.
Ist Verfugen im Winter möglich?
Nein. Unter 5 Grad Celsius bindet der Mörtel nicht vollständig ab und ist frostempfindlich. Die Saison reicht üblicherweise von April bis Oktober, bei stabiler Witterung auch etwas länger.

Zuletzt aktualisiert: September 2026 · Preise als Spannen, Angaben ohne Gewähr.

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