Kurz gefasst

Wallbox, Wärmepumpe und Photovoltaik brauchen zusammen schnell 15 bis 20 Teilungseinheiten mehr im Verteiler. Ist keine Reserve da, wird erweitert oder ersetzt. Beides darf ausschließlich ein eingetragener Elektrofachbetrieb ausführen. Am Zählerschrank redet zusätzlich der Netzbetreiber mit.

Elektrik

Stromkreisverteiler erweitern: Kosten, Platzbedarf und Pflichten

Einen Stromkreisverteiler zu erweitern kostet 250 bis 1.500 Euro, ein kompletter Austausch 900 bis 2.200 Euro. Der Preis hängt weniger am Material als an den Pflichten, die der Umbau auslöst. Und daran, ob der Zählerschrank mit betroffen ist.

Die kurze Antwort: Reicht der Platz für zwei bis vier zusätzliche Stromkreise, kostet die Erweiterung 250 bis 900 Euro. Ist der Verteiler voll, wird ein Zusatzverteiler gesetzt oder das Gehäuse getauscht, dann liegen die Kosten bei 900 bis 2.200 Euro. Muss der ganze Zählerschrank weichen, sind 1.800 bis 4.500 Euro realistisch. Jeder Eingriff ist Sache eines eingetragenen Elektrofachbetriebs, Eigenleistung ist hier ausgeschlossen.
Platz

Eine Teilungseinheit ist 17,5 Millimeter breit, eine Reihe fasst meist 12 davon.

Kosten

250 bis 900 Euro bei freier Reserve, 900 bis 2.200 Euro für einen neuen Verteiler.

Pflicht

Fachbetrieb zwingend. Im plombierten Vorzählerbereich zusätzlich Eintrag beim Netzbetreiber.

Wann kommt der Verteiler an seine Grenze?

Alte Verteiler waren für Licht, Steckdosen und einen Herd ausgelegt. Heute kommen große Verbraucher dazu, und jeder braucht eigenen Platz und eigene Schutzorgane.

Wallbox. Sie belegt einen dreipoligen Leitungsschutzschalter und meist einen eigenen Fehlerstromschutzschalter. Rechne mit 5 bis 8 Teilungseinheiten.

Wärmepumpe. Auch sie bekommt einen eigenen Stromkreis, oft mit Sperrschütz für den reduzierten Netztarif. Das sind 6 bis 10 Teilungseinheiten. Wie sich der Tausch der Heizung insgesamt vorbereiten lässt, zeigt der Ratgeber zum Ablauf beim Heizungstausch.

Photovoltaik mit Speicher. Sie braucht Einspeiseabsicherung, Trennstelle und je nach Anlage eine Umschalteinrichtung. Das sind 6 bis 12 Teilungseinheiten.

Neue Stromkreise im Bestand. Wer im Altbau Steckdosen ergänzt, kann selten einen alten Stromkreis weiterverwenden. Jeder neue Kreis belegt mindestens eine Teilungseinheit.

Faustregel: Sind alle Reihen voll und fehlt jede Reserve, plane den Umbau gleich für die nächsten zehn Jahre. Zweimal öffnen kostet doppelt Montagezeit.

Wie zählst du Teilungseinheiten und Platzbedarf?

Eine Teilungseinheit ist 17,5 Millimeter breit. Eine übliche Reihe fasst 12 Einheiten, ein Verteilerfeld hat drei bis fünf Reihen. Öffne die Abdeckung nicht selbst, sondern zähle die sichtbaren Module hinter der Blende.

BauteilTeilungseinheitenWofür
Leitungsschutzschalter, einpolig1Licht, Steckdosen
Leitungsschutzschalter, dreipolig3Herd, Durchlauferhitzer, Wallbox
Fehlerstromschutzschalter, zweipolig2Badstromkreise, Außensteckdosen
Fehlerstromschutzschalter, vierpolig4Gruppen aus mehreren Stromkreisen
Kombigerät aus FI und Sicherung2 bis 4platzsparend, aber teurer je Kreis
Überspannungsschutz Typ 23 bis 4Schutz für die gesamte Anlage
Sperrschütz für Wärmepumpe2 bis 4Steuerung durch den Netzbetreiber
Zählerplatz für einen Zählereigenes Feldnicht in der Reihe mitzählen

Lass immer 20 Prozent Reserve frei. Diese Reserve ist der Unterschied zwischen einer 300-Euro-Nachrüstung und einem 2.000-Euro-Umbau in fünf Jahren.

Der Platz allein reicht als Planung nicht. Jeder Stromkreis braucht auch eine passende Zuleitung und einen Anschluss an eine Sammelschiene. Wer nur die freien Einheiten zählt, übersieht oft, dass die vorhandene Zuleitung zum Unterverteiler zu dünn ist. Bei Wallbox und Wärmepumpe zusammen kommt schnell eine neue Zuleitung mit größerem Querschnitt dazu. Diese Position ist im ersten Angebot fast nie enthalten. Frage deshalb ausdrücklich nach, welcher Querschnitt heute liegt und welcher gebraucht wird.

Was kostet die Erweiterung?

Die Spannen gelten für Material und Montage durch einen Elektrofachbetrieb, Stand 2026. Die Anfahrt und die Abschaltzeit sind meist enthalten, Stemmarbeiten nicht.

PositionPreisEinheitHinweis
Leitungsschutzschalter nachrüsten25 bis 60 Euroje Stücknur bei freiem Platz
Fehlerstromschutzschalter vierpolig120 bis 260 Euroje Stück40 A, 30 mA, inklusive Montage
Kombigerät FI und Sicherung60 bis 140 Euroje Stückwenn der Platz knapp ist
Überspannungsschutz Typ 2250 bis 600 Europauschalinklusive Verdrahtung
Zusatzverteiler aufputz, 2 Reihen250 bis 700 EuropauschalVerbindungsleitung kommt dazu
Unterverteiler 3-reihig komplett neu900 bis 2.200 EuropauschalGehäuse, Bestückung, Umklemmen
Zählerschrank komplett erneuern1.800 bis 4.500 Europauschal3 Felder, nach aktuellen Anschlussbedingungen
Zuleitung 5 x 6 mm² neu verlegen25 bis 60 Euroje Meterabhängig von der Verlegeart
Stemmen und Verputzen für Leitungen18 bis 45 Euroje Meterim Massivbau
Hauptpotentialausgleich nachrüsten250 bis 800 Europauschaloft im Altbau nötig
Anschluss einer Wallbox600 bis 1.800 Europauschalohne Ladegerät, mit Leitung
Anmeldung beim Netzbetreiber0 bis 250 EuropauschalFormular und Inbetriebsetzung
Prüfprotokoll nach DIN VDE 0100-600150 bis 450 EuropauschalNachweis für Versicherung
Beschriftung und Stromkreisliste60 bis 150 Europauschalgehört zur Übergabe
Notstromversorgung während des Umbaus150 bis 400 Euroje Tagnur bei längerer Abschaltung

Ein häufiger Fall: Wallbox und Überspannungsschutz sollen nachgerüstet werden, der Verteiler ist voll. Mit neuem Unterverteiler, Zuleitung und Anmeldung landest du bei 2.400 bis 4.000 Euro.

Erweitern oder komplett tauschen?

Die Schwelle liegt dort, wo mehr als die Hälfte der Bauteile ohnehin neu wird. Drei Punkte entscheiden.

AusgangslageSinnvollKosten
Mindestens 4 Einheiten frei, FI vorhandenerweitern250 bis 900 Euro
Voll belegt, Gehäuse aber modernZusatzverteiler setzen500 bis 1.400 Euro
Schmelzsicherungen, kein FIkomplett tauschen900 bis 2.200 Euro
Zählerschrank ohne Platz für ZusatzanwendungenZählerschrank erneuern1.800 bis 4.500 Euro

Steckt noch ein alter Kasten mit Schraubsicherungen an der Wand, lohnt Flickwerk nicht. Was dabei zu beachten ist, steht im Ratgeber zum Erneuern des Sicherungskastens.

Zwei weitere Punkte sprechen für den Komplettaustausch. Erstens die Verdrahtung: In alten Verteilern sind Zuleitungen oft mit Klemmen verlängert, die heute nicht mehr zulässig sind. Zweitens die Zugänglichkeit. Sitzt der Verteiler in einer Nische hinter einer Tür oder in einem Schrank, hält er die Mindestabstände selten ein. Beides fällt beim Öffnen auf und wird dann ohnehin zur Nacharbeit. Lass dir vor der Entscheidung ein Foto des geöffneten Verteilers zeigen.

Welche Nachrüstpflichten löst der Umbau aus?

Bestehende Anlagen genießen Bestandsschutz, solange niemand sie ändert. Sobald du wesentlich änderst, gelten die heutigen Regeln für den geänderten Teil.

Fehlerstromschutz. Die aktuelle Fassung der DIN VDE 0100-410 verlangt einen Fehlerstromschutzschalter mit 30 Milliampere für Steckdosenstromkreise bis 32 Ampere und für Beleuchtungsstromkreise in Wohnungen. Neue Kreise brauchen ihn also immer.

Überspannungsschutz. Seit 2016 fordert die DIN VDE 0100-443 in Wohngebäuden einen Überspannungsschutz, wenn die Anlage neu errichtet oder wesentlich geändert wird. Ein Zählerschranktausch fällt darunter.

Potentialausgleich. Fehlt eine Erdung nach heutigem Stand, lässt sich der Verteiler nicht sauber abnehmen. Im Altbau ist das eine häufige Zusatzposition.

Dokumentation. Zur Abnahme gehören Prüfprotokoll und Stromkreisliste. Ohne sie fehlt dir im Schadensfall der Nachweis gegenüber der Versicherung. Der Ratgeber zum Erneuern der Elektroinstallation ordnet ein, wann sich der große Wurf lohnt.

Wo redet der Netzbetreiber mit?

Zwischen Hausanschluss und Zähler liegt der Vorzählerbereich. Er ist plombiert und gehört nicht dir. Nur ein Betrieb, der im Installateurverzeichnis des zuständigen Netzbetreibers eingetragen ist, darf dort arbeiten und Plomben entfernen.

Auch der Zählerschrank selbst muss den technischen Anschlussbedingungen entsprechen. Moderne Vorgaben verlangen Platz für einen zusätzlichen Anwendungsbereich, etwa für Messtechnik und Kommunikation. Alte Schränke aus den 1970er Jahren erfüllen das nicht.

Für Wallboxen gilt eine eigene Regel. Ladeeinrichtungen bis 12 Kilovoltampere musst du dem Netzbetreiber melden, darüber brauchst du seine Zustimmung vor dem Anschluss. Der Fachbetrieb übernimmt das Formular meist mit. Bei größeren Sanierungen im Bestand lohnt es, das früh zu klären, wie der Ratgeber zum Sanieren eines Hauses aus den 70er Jahren zeigt.

Häufige Fragen

Darf ich eine Sicherung selbst nachrüsten?
Nein. Arbeiten im Stromkreisverteiler sind Sache eines eingetragenen Elektrofachbetriebs, auch im eigenen Haus. Bei einem Brand nach Eigenleistung kann die Versicherung die Leistung kürzen oder ganz verweigern.
Wie lange ist der Strom während des Umbaus weg?
Für eine Erweiterung reichen 1 bis 3 Stunden. Ein kompletter Verteilertausch dauert 4 bis 8 Stunden, ein neuer Zählerschrank auch einen ganzen Tag. Kühlgeräte solltest du vorher planen.
Woran erkenne ich, dass ein FI fehlt?
Ein Fehlerstromschutzschalter hat eine Prüftaste, meist mit einem T beschriftet. Findest du im Verteiler keine solche Taste, fehlt der Schutz. Drücke die Taste einmal im Halbjahr zur Kontrolle.
Gibt es Förderung für den Zählerschrank?
Für sich allein in der Regel nicht. Fällt der Umbau als notwendige Nebenleistung bei einer geförderten Maßnahme an, etwa bei einer Wärmepumpe, kann er anteilig anerkannt werden. Kläre das vor der Auftragsvergabe.
Was kostet nur der Anschluss einer Wallbox?
Ohne Umbau des Verteilers liegen die Kosten bei 600 bis 1.800 Euro für Leitung, Schutzorgane und Montage. Muss der Verteiler mit erneuert werden, kommen 900 bis 2.200 Euro dazu.

Zuletzt aktualisiert: August 2026 · Preise als Spannen, Stand 2026, Angaben ohne Gewähr.

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