Kurz gefasst

Drei Wege führen zur neuen Steckdose: Schlitzen und Verputzen, ein Aufputzkanal oder ein Sockelleistensystem. Der Preis liegt zwischen 90 und 450 Euro je Dose. Entscheidend ist, ob der vorhandene Stromkreis einen Schutzleiter hat. Fehlt er, darf gar nicht erweitert werden.

Elektrik

Steckdosen nachrüsten im Altbau: Wege, Regeln und Kosten

Steckdosen im Altbau nachzurüsten kostet 90 bis 450 Euro je Dose, je nach Verlegeart und Stromkreis. Die Wandarbeiten sind dabei teurer als das Material. Und ein Punkt entscheidet vorab über alles: der Schutzleiter.

Die kurze Antwort: Eine zusätzliche Steckdose im vorhandenen, schutzleiterführenden Stromkreis kostet unter Putz 90 bis 180 Euro. Braucht sie einen eigenen Stromkreis vom Verteiler, sind es 180 bis 450 Euro. Aufputzkanäle sind mit 15 bis 35 Euro je Meter die günstigste Lösung ohne Staub. Alle Arbeiten an der festen Installation gehören in die Hand eines eingetragenen Elektrofachbetriebs.
Kosten

90 bis 180 Euro je Dose im vorhandenen Kreis, 180 bis 450 Euro mit neuer Leitung.

Dauer

2 bis 4 Dosen am Tag inklusive Stemmen. Kanalsysteme gehen deutlich schneller.

Pflicht

Feste Installation nur durch den Fachbetrieb. Ohne Schutzleiter keine Erweiterung.

Wie viele Steckdosen braucht ein Raum?

Die DIN 18015-2 legt für Wohngebäude eine Mindestausstattung an Anschlussstellen fest. Darüber hinaus beschreibt die RAL-RG 678 höhere Ausstattungsstufen für Standard und Komfort. Die folgenden Werte sind Planungsorientierung, die verbindlichen Zahlen stehen in den kostenpflichtigen Regelwerken.

RaumSparsamPraxistauglichKomfortabel
Wohnzimmer bis 20 qm5 Steckdosen8 bis 1012 und mehr
Schlafzimmer bis 20 qm4 Steckdosen6 bis 810 und mehr
Küche bis 12 qm8 Steckdosen12 bis 1416 und mehr
Arbeitszimmer5 Steckdosen8 bis 1012 und mehr
Kinderzimmer4 Steckdosen6 bis 810 und mehr
Bad bis 10 qm2 Steckdosen3 bis 45 und mehr
Flur je 5 Meter1 Steckdose23 und mehr

Zähle beim Planen nicht die Geräte von heute, sondern die Möbelstellplätze. Eine Dose hinter einem Schrank nützt niemandem. Zwei Dosen links und rechts vom Bett ersparen dir jede Verlängerungsschnur.

Welche drei Wege gibt es?

Der Weg entscheidet über Staub, Dauer und Optik. Alle drei sind technisch gleichwertig, wenn sie fachgerecht ausgeführt werden.

KriteriumSchlitzen und VerputzenAufputzkanalSockelleistensystem
Optikunsichtbarsichtbar an der Wandunauffällig am Boden
Staub und Schmutzhochgeringgering
Kosten je Meter26 bis 65 Euro15 bis 35 Euro25 bis 60 Euro
NacharbeitVerputzen und Malernkeinealte Sockelleiste entfällt
Erweiterbarnur mit neuem Aufwandjederzeitjederzeit
Geeignet fürVollsanierung im leeren RaumKeller, Hobbyraum, Bürobewohnte Räume

Im bewohnten Altbau gewinnt das Sockelleistensystem oft. Die alte Leiste kommt ab, die neue mit Kabelkanal geht an, und die Dosen sitzen darin. Der Raum bleibt nutzbar, es fällt kein Bauschutt an.

Faustregel: Wird der Raum ohnehin renoviert und der Boden neu gemacht, lohnt Unterputz. Bleibt alles stehen, ist ein Kanalsystem die günstigere und schnellere Lösung.

Was kostet eine nachgerüstete Steckdose?

Die Spannen gelten für Fachbetriebsleistung inklusive Material, Stand 2026. Der Preis je Dose sinkt deutlich, wenn mehrere Dosen an einem Termin gesetzt werden.

PositionPreisEinheitHinweis
Steckdose im vorhandenen Stromkreis, unter Putz90 bis 180 Euroje Stückkurze Leitungswege
Steckdose mit neuem Stromkreis vom Verteiler180 bis 450 Euroje Stückinklusive Sicherung
Doppelsteckdose statt Einzeldose25 bis 50 EuroAufpreisgleiche Leitung, eine Dose mehr
Schlitzen und Verputzen18 bis 45 Euroje MeterMassivwand, ohne Malerarbeit
Gerätedose bohren und setzen15 bis 35 Euroje StückBeton kostet mehr als Ziegel
Leitung NYM 3 x 1,5 verlegen8 bis 20 Euroje MeterMaterial und Montage
Aufputzkanal montiert15 bis 35 Euroje Meterinklusive Leitung
Sockelleistenkanal montiert25 bis 60 Euroje Meteralte Leiste entsorgen inklusive
Schalterprogramm Standard8 bis 25 Euroje Einsatzweiß, Kunststoffrahmen
Schalterprogramm Design30 bis 90 Euroje EinsatzGlas, Metall, Sonderfarben
Netzwerkdose zusätzlich setzen60 bis 140 Euroje Stückbei gleichem Weg günstiger
Fehlerstromschutzschalter nachrüsten120 bis 260 Euroje StückPflicht bei neuen Kreisen
Malerarbeiten nach dem Stemmen12 bis 24 Euroje qmganze Wandfläche, nicht nur der Schlitz
Prüfprotokoll und Stromkreisliste150 bis 450 EuropauschalNachweis für die Versicherung
Anfahrt und Kleinmaterial60 bis 150 Euroje Terminfällt einmal je Einsatz an

Ein realistisches Beispiel: Sechs neue Dosen im Wohnzimmer, unter Putz, im vorhandenen Kreis, mit Maler. Das ergibt 900 bis 1.700 Euro. Dieselben sechs Dosen im Sockelleistenkanal kosten 600 bis 1.200 Euro.

Wo dürfen Leitungen liegen und wo darfst du bohren?

Leitungen werden nicht kreuz und quer verlegt, sondern in festgelegten Zonen. Die DIN 18015-3 beschreibt sie. Wer die Zonen kennt, bohrt nicht in ein Kabel.

Waagerechte Zonen. Eine liegt 15 bis 45 Zentimeter über dem fertigen Fußboden, eine zweite 15 bis 45 Zentimeter unter der Decke. In Küchen und Arbeitsräumen kommt eine dritte Zone zwischen 100 und 130 Zentimetern dazu.

Senkrechte Zonen. Sie verlaufen 10 bis 30 Zentimeter neben Türen, Fenstern und Raumecken.

Was das für dich heißt. Außerhalb dieser Zonen kannst du mit deutlich geringerem Risiko bohren. Verlassen solltest du dich darauf im Altbau trotzdem nicht. Vor 1965 verlegte Anlagen halten die Zonen oft nicht ein. Ein Leitungssuchgerät für 30 bis 90 Euro ist die günstigste Versicherung.

Bitte den Fachbetrieb, die neuen Leitungswege zu fotografieren, bevor verputzt wird. Diese Bilder sind Jahre später mehr wert als jede Skizze.

Was darfst du selbst machen?

Die feste Elektroinstallation ist dem eingetragenen Elektrofachbetrieb vorbehalten. Das gilt auch im eigenen Haus und unabhängig von deinem handwerklichen Können. Wer selbst klemmt, riskiert im Schadensfall den Versicherungsschutz.

Erlaubt sind Vorarbeiten. Möbel rücken, Tapete entfernen, Sockelleisten abnehmen, Schlitze stemmen und nach der Installation verputzen und streichen. Das spart je nach Umfang 15 bis 30 Prozent der Rechnung.

Nicht erlaubt ist alles mit Spannung. Leitungen anschließen, Dosen klemmen, Sicherungen setzen, den Verteiler öffnen. Auch der Tausch eines Steckdoseneinsatzes gehört dazu, weil dabei an der festen Anlage gearbeitet wird.

Sprich die Aufteilung vorher ab und lass sie ins Angebot schreiben. Sonst rechnet der Betrieb die Vorarbeiten trotzdem mit. Wie du geeignete Betriebe erkennst, zeigt der Ratgeber zum Finden guter Handwerksbetriebe.

Warum ein alter Stromkreis ohne Schutzleiter nicht erweitert werden darf

In vielen Altbauten liegt eine zweiadrige Leitung ohne grüngelben Schutzleiter. Häufig ist zusätzlich die klassische Nullung ausgeführt, bei der Schutzleiter und Neutralleiter erst in der Dose verbunden werden.

Beides ist in neu errichteten Anlagenteilen nicht mehr zulässig. Eine Schutzkontaktsteckdose ohne funktionierenden Schutzleiter täuscht Sicherheit nur vor. Im Fehlerfall steht das Gehäuse eines Geräts unter Spannung, ohne dass eine Sicherung auslöst.

Deshalb gilt: Ein solcher Stromkreis wird nicht erweitert, sondern erneuert. Die neue Leitung geht dreiadrig vom Verteiler bis zur Dose und wird über einen Fehlerstromschutzschalter abgesichert. Das ist der Grund, warum eine einzelne Dose im Altbau plötzlich 400 Euro kostet.

Prüfe deshalb vor jeder Planung, welchen Stand die Anlage hat. Der Ratgeber zum Erneuern der Elektroinstallation zeigt, wann sich der große Wurf lohnt. Und wenn ohnehin neue Kreise dazukommen, prüfe gleich den Platz im Kasten, wie es der Ratgeber zum Erneuern des Sicherungskastens beschreibt.

Häufige Fragen

Kann ich eine Steckdose einfach von der Nachbardose abzweigen?
Technisch ja, wenn der Stromkreis Schutzleiter führt und nicht überlastet ist. Der Fachbetrieb prüft Absicherung und Leitungsquerschnitt. Bei Küchen und Arbeitszimmern ist ein eigener Stromkreis oft die bessere Wahl.
Wie viele Steckdosen dürfen an einem Stromkreis hängen?
Eine feste Höchstzahl gibt es nicht. Maßgeblich ist die zu erwartende Last im Verhältnis zur Absicherung. In Wohnräumen sind 8 bis 10 Dosen je Kreis mit 16 Ampere üblich, in Küchen deutlich weniger.
Lohnt sich ein Sockelleistenkanal im ganzen Haus?
In bewohnten Altbauten oft ja. Er kostet je Meter mehr als ein einfacher Kanal, sieht aber besser aus und lässt sich später jederzeit erweitern. Türdurchgänge brauchen dabei eine saubere Lösung im Boden.
Was kostet es, alle Steckdosen im Haus zu erneuern?
Für ein Einfamilienhaus mit 120 Quadratmetern und rund 60 Anschlussstellen liegen die Kosten bei 8.000 bis 18.000 Euro. Der Aufwand hängt stark davon ab, ob unter Putz oder in Kanälen gearbeitet wird.
Brauche ich für eine Außensteckdose etwas Besonderes?
Ja. Sie braucht mindestens die Schutzart IP44, eine eigene Absicherung und einen Fehlerstromschutzschalter mit 30 Milliampere. Die Wanddurchführung muss außerdem regensicher und wärmebrückenfrei abgedichtet werden.

Zuletzt aktualisiert: August 2026 · Preise als Spannen, Stand 2026, Angaben ohne Gewähr.

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