Neuer Sicherungskasten wird installiert
Kurz gefasstWoran du eine veraltete Elektrik erkennst, welche Anlagen wirklich gefährlich sind und mit welchen Kosten pro Quadratmeter du rechnen musst.

Ratgeber

Elektroinstallation erneuern: Wann es Pflicht wird und was es kostet

Die Elektrik ist das Gewerk, das man nicht sieht – und deshalb am längsten aufschiebt. Dabei stammt sie in vielen Häusern noch aus den 1960er- oder 70er-Jahren und ist auf einen Bruchteil der heutigen Last ausgelegt.

Hier erfährst du, woran du eine veraltete Anlage erkennst, was wirklich gefährlich ist und was die Erneuerung kostet.

Diese Anzeichen sind ernst zu nehmen

  • Schraubsicherungen statt Automaten: Die klassischen Diazed-Sicherungen mit Porzellankopf deuten auf eine Anlage von vor 1970 hin.
  • Kein FI-Schutzschalter: Der Fehlerstromschutzschalter ist der wichtigste Schutz gegen Stromschlag. Fehlt er komplett, ist die Anlage nicht auf heutigem Stand.
  • Zweiadrige Leitungen ohne Schutzleiter: Erkennbar an Steckdosen ohne Schutzkontakt. Alle Metallgehäuse sind dann ungeschützt.
  • Stoffummantelte Kabel: Die Isolierung wird spröde und bröselt.
  • Zu wenige Stromkreise: Wenn das halbe Haus dunkel wird, weil eine Sicherung fällt, hängt zu viel an einem Kreis.
  • Sicherungen fliegen regelmäßig: Ein deutliches Zeichen für Überlastung.

Ein weiteres Warnsignal sind Aluminiumleitungen, die in den 1970er-Jahren wegen Kupferknappheit verbaut wurden. Aluminium kriecht unter Druck, die Klemmstellen lockern sich mit den Jahren – und lockere Klemmen sind eine häufige Brandursache.

Gibt es eine gesetzliche Pflicht?

Eine Pflicht, eine funktionierende Altanlage zu erneuern, gibt es für Selbstnutzende nicht. Bestandsschutz bedeutet: Was beim Einbau zulässig war, darf bleiben.

Der Bestandsschutz endet aber, sobald du eingreifst. Wer einen Stromkreis erweitert oder Räume umbaut, muss den betroffenen Teil auf den aktuellen Stand bringen – inklusive FI-Schutzschalter.

Für Vermietende ist die Lage strenger: Die Anlage muss betriebssicher sein. Kommt es zu einem Schaden durch eine erkennbar marode Installation, drohen Haftungsfolgen – und die Gebäudeversicherung kann die Leistung kürzen.

Was die Erneuerung kostet

UmfangKosten je m² Wohnfläche
Nur Sicherungskasten modernisieren1.500 – 3.500 € gesamt
Teilerneuerung einzelner Räume40 – 80 €
Komplett neu, Aufputz oder in Kanälen60 – 100 €
Komplett neu, unter Putz100 – 180 €
Komplett neu mit Smart-Home-Vorbereitung150 – 250 €

Für ein Einfamilienhaus mit 140 Quadratmetern liegst du bei einer Komplettsanierung unter Putz also grob zwischen 14.000 und 25.000 €. Der große Kostentreiber ist nicht das Material, sondern das Schlitzen der Wände und das anschließende Verputzen.

Deshalb gilt: Wenn ohnehin saniert wird, ist die Elektrik der günstigste Zeitpunkt. Sind die Wände schon offen, sparst du einen erheblichen Teil der Kosten.

Was heute Standard ist

  • FI-Schutzschalter für alle Steckdosenstromkreise
  • Getrennte Stromkreise für Küche, Bad, Waschmaschine und Arbeitsräume
  • Ausreichend Steckdosen – im Wohnzimmer gern zehn und mehr
  • Netzwerkleitungen parallel zur Elektrik, auch wenn du sie noch nicht brauchst
  • Leerrohre für spätere Nachrüstungen
  • Vorbereitung für eine Wallbox, wenn ein Stellplatz vorhanden ist

Der günstigste Zeitpunkt für Leerrohre und Netzwerkkabel ist jetzt – nachträglich kostet jede einzelne Leitung wieder Schlitze, Putz und Farbe.

Der E-Check als Bestandsaufnahme

Wenn du unsicher bist, ob deine Anlage in Ordnung ist, lohnt sich ein E-Check. Ein Fachbetrieb prüft Leitungen, Schutzeinrichtungen und Verteilung und dokumentiert das Ergebnis.

Das kostet je nach Hausgröße etwa 150 bis 400 € und liefert dir eine belastbare Grundlage: Du weißt danach, ob du sofort handeln musst oder in Ruhe planen kannst. Manche Versicherungen honorieren den Nachweis mit besseren Konditionen.

Häufige Fragen zur Elektroinstallation

Darf ich selbst Steckdosen setzen?

Arbeiten am festen Hausnetz sind zulassungspflichtigen Fachbetrieben vorbehalten. Bei Schäden zahlt die Versicherung nicht, wenn unsachgemäß gearbeitet wurde. Schlitze stemmen und Leerrohre legen darfst du in Absprache oft selbst.

Wie lange dauert eine Komplettsanierung?

Bei einem Einfamilienhaus etwa zwei bis vier Wochen für die Elektrik selbst, plus Putz- und Malerarbeiten danach.

Kann ich in bewohntem Zustand sanieren?

Raumweise ja. Es ist staubig und mit tageweisen Stromabschaltungen verbunden, aber machbar. Eine Alternative ist die Verlegung in Sockelleisten und Kanälen ohne Schlitze.

Gibt es Förderung für die Elektrik?

Nicht als Einzelmaßnahme. Im Rahmen einer Effizienzhaus-Sanierung oder bei altersgerechtem Umbau kann sie aber Teil eines geförderten Pakets sein. Der Steuerbonus von 20 Prozent auf die Arbeitskosten gilt in jedem Fall.

Zuletzt aktualisiert: August 2026 · Angaben ohne Gewähr · Titelbild: KI-generiert.